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TERM CHEM EXPO WIRK TOX WERT VORSCHR EMPF INDEX
Allgemein Verwendung Vorkommen Aufnahmewege Human-Biomonitoring Quellen
 
Stand: 01/2010
Bearbeiter: Nordrhein-Westfalen auf der Grundlage eines Entwurfs von FoBiG
Status: ohne Review

Expositionsmöglichkeiten

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Allgemeine Expositionscharakteristik

Formaldehyd kommt natürlicherweise in der Umwelt und im menschlichen Körper vor. Die Substanz wird in großen Mengen produziert und zu etwa zwei Dritteln in der Kunstharz-Herstellung verwendet. Sowohl die Kunstharze als auch Formaldehyd selbst werden in sehr vielen Produkten eingesetzt. Aufgrund der Einstufung von Formaldehyd als Humankanzerogen durch die IARC und einer vermutlich bevorstehenden harmonisierten Einstufung und Kennzeichnung nach REACH dürfte sich das Verwendungsmuster stark verändern. Die Formaldehyd-Aufnahme der Allgemeinbevölkerung erfolgt üblicherweise vor allem oral über die Nahrung, gefolgt von einer inhalativen Aufnahme über die Raumluft. Rauchen und Passivrauchen können zu einer erheblichen Formaldehydaufnahme beitragen. Aufgrund der breiten Verwendung, u.a. in Bauprodukten und Verbraucherprodukten, kann es zu einer, teilweise kurzfristig erhöhten, Formaldehydexposition kommen.
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Verwendung

Produktionsmengen
1375000 t/a (DE, 2008)
3640000 t/a (EU27, 2008; mindestens ein nationaler Wert ist geschätzt)
[A-18 / EUROSTAT / 2009]

Industrielle und gewerbliche Verwendung
Verwendungsmuster (Westeuropa, 2000):
44,4% Harnstoff-Formaldehyd-Harz (UF-Harz)
8,6% Phenol-Formaldehyd-Harz (PF-Harz)
7,5% Melamin-Formaldehyd-Harze (MF-Harz)
7,1% Polyacetal-Harze
Summe Kunstharze: 67,6%
6,7% Zwischenprodukt bei der Herstellung von 1,4-Butandiol
5,4% Herstellung von 4,4'-Methylendiphenyldiisocyanat
5,4% Herstellung von Pentaerythritol
2,1% Zwischenprodukt bei der Herstellung von Propylidintrimethanol
2,0% Herstellung von Methenamin
10,9% andere
Die Harze werden in zahlreichen Anwendungen weiterverwendet, insbesondere bei der Herstellung von Baumaterialien (u.a. Spanplatten) sowie in der Papier- und Textilindustrie.
[C-6 / IARC / 2006; C-7 / Wichmann / 2006; C-134 / OECD SIDS / 2004]

Formaldehyd ist nach Richtlinie 98/8/EG als Biozid für die Produktarten 11 (Schutzmittel für Flüssigkeiten in Kühl- und Verfahrenssystemen), 12 (Schleimbekämpfungsmittel), 13 (Schutzmittel für Metallbearbeitungsflüssigkeiten) und 21 (Antifouling-Produkte) notifiziert (Richtlinie des Europäischen Parlamentes und des Rates vom 16. Februar 1998 über das Inverkehrbringen von Biozid-Produkten).

Verbraucherprodukte
Formaldehyd kommt in unzähligen Verbraucherprodukten zum Einsatz, beispielsweise Wasch- und Reinigungsmitteln, Kosmetika und Textilien, aber auch Holzspielzeugen. Von den 1400 Produkten des schwedischen Produktregisters, die Formaldehyd enthalten, handelt es sich bei knapp 200 um Verbraucherprodukte.
[C-6 / IARC / 2006; C-134 / OECD SIDS / 2004]

Wasch-, Pflege- und Reinigungsmittel für Privatverbraucher: <50 kg/a (DE, 2005)
[E-61 / IKW / 2006]


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Vorkommen

Formaldehyd kommt natürlicherweise ubiquitär in der Umwelt vor und ist in den meisten Lebensformen, einschließlich des Menschen, ein endogen gebildetes Zwischenprodukt.

Vorkommen in der Luft
Angaben in ppb wurden mit dem Faktor 1,25 in μg/m³ umgerechnet.

Außenluft
Natürliches und anthropogenes Vorkommen
Formaldehyd wird natürlich in der Troposphäre gebildet und entsteht als Zwischenprodukt aus pflanzlichen Terpenen sowie bei Waldbränden. Explizit als natürlich bezeichnete Werte liegen allerdings nicht vor.
0,1-0,5 μg/m³ (maritime Reinluft, Ort n.a., Jahr n.a.)
0,5 μg/m³ (globale Grundbelastung, ca. 1988)
0,2-3,5 μg/m³ (Bereich, Durchschnitt: 1-2 μg/m³, kontinentale Reinluft, Ort n.a., Jahr n.a.)
1,6 μg/m³ (Mittel, Bereich: 0,5-4,1 μg/m³, n= n.a., Wankgipfel, Alpen/DE, 1991)
1,25 μg/m³ (Mittel, Bereich: 0,5-2,9 μg/m³, n=22; Schauinsland/DE, 1992)
[C-49 / Rippen / 2009; C-6 / IARC / 2006; C-7 / Wichmann / 2006; C-134 / OECD SIDS / 2004]

Anthropogene Einflüsse tragen in besiedelten Gebieten mehr zur Formaldehydbelastung der Außenluft bei als natürliche Quellen, wobei der Kraftfahrzeugverkehr eine herausragende Rolle gespielt hat. Der Einsatz von Katalysatoren hat die Emissionen aus dieser Quelle allerdings reduziert.

0,4-0,5 μg/m³ (Bereich, MAX: 3,3 μg/m³, Anteil industrieller Belastungen, aus Emissionskatastern hochgerechnet, NRW, 1982-86)

Neuere deutsche Messwerte:
5-10 μg/m³, (Jahresmittelwerte, 30-Minuten-Maxima: 20-25 μg/m³; Straßenschluchten; DE, ca. 1993)
0,8-4,5 μg/m³ (Monatsmittelwerte, n=17, ländlich; Melpitz/DE, 1993-94)
5-35 μg/m³ (Monatsmittelwerte, n=16; Leipzig/DE, 1993-94)
0,568-3,1 μg/m³ (Tagesmittelwerte, mehrere Tage an mehreren Standorten, 6 Messkampagnen; Umgebung Flughafen München/DE, 1994-95)

Neuere europäische Messwerte städtischer Messstationen:
3,3 μg/m³ (Mittel, Bereich: 0,25-8,0 μg/m³, n=37; Kopenhagen/DK, Winter 1994)
21,3 μg/m³ (Mittel, Bereich: 11,0-34,6 μg/m³, n=56; Rom/IT, Sommer, 1994)
14,0 μg/m³ (Mittel, Bereich: 10,3-21,3 μg/m³, n=57; Rom/IT, Winter, 1995)
5,1-66,8 μg/m³ (Bereich, n= n.a., 1 ländlich-industrielle und 5 städtische Messpunkte; Mailand/IT, Winter, 1998-99)
3,6 μg/m³ (Mittel, n=973, städtisch, Drammen/NO, 1998-2000; Reduktion gegenüber 1994-97 (Mittel: 11,1 μg/m³, n=974) wird auf Anstieg der Fahrzeuge mit Katalysatoren zurückgeführt)
1,6 μg/m³ (GM, n=27, städtisch; Uppsala/SE, 1998)
[C-49 / Rippen / 2009; C-6 / IARC / 2006; C-7 / Wichmann / 2006]

Raumluft
Natürliche und anthropogene Vorkommen in der Raumluft lassen sich nicht differenzieren.
Kinder-Umwelt-Survey (n=586, DE, 2003-2006):
23,5 μg/m³ (Median, AM: 25,7 μg/m³, 10. Perzentil: 13,2 μg/m³, 90. Perzentil: 41,0 μg/m³, GM: 23,3 (95%-KI: 22,4-24,2) μg/m³, MAX: 68,9 μg/m³, n=586, n=586 >BG (1 μg/m³); repräsentativ)
[D-683 / UBA / 2008]

32,5 μg/m³ (Median, AM: 43,6 μg/m³, 10. Perzentil: 15,5 μg/m³, 90. Perzentil: 84,5 μg/m³, MAX: 266 μg/m³, n=446, n=444 >BG (6,5 μg/m³, mittlere BG der beteiligten Labors), Werte [D-766 / Hofmann / 2008]

24 μg/m³ (Median, 95. Perzentil: 61 μg/m³, n=876, Schlafzimmer; repräsentativ, UK, 1997-99)
[C-7 / Wichmann / 2006]

3,5 μg/m³ (Median, Mittel: 9,2 μg/m³, n=546, Bürogebäude; DE, 1994-99)
[C-49 / Rippen / 2009]

Aus experimentell bestimmten Emissionsraten (US, 1999) für verschiedene Produkte wurden mit einer Software folgende Raumluftkonzentrationen (mittlere Konzentration pro Ereignis) abgeschätzt:
432 μg/m³ (MAX: 3900 μg/m³; Pressspan auf Basis von UF-Harz (Harnstoff-Formaldehyd-Harz), unbeschichtet)
37 μg/m³ (MAX: 1160 μg/m³; Pressspan auf Basis von UF-Harz, beschichtet)
545-1635 μg/m³ (knitterfreie Dekostoffe, Spanne je nach Annahmen zur Fläche des emittierenden Materials und zur Raumgröße)
68-136 μg/m³ (Tapete)
15-30 μg/m³ (Hemden, unterer Wert für 1x gewaschene Hemden, oberer Wert für ungewaschene Hemden)
38 μg/m³ (Laminat)
61 μg/m³ (Glasfaserprodukte)
23 μg/m³ (Pressspan auf Basis von Phenol-Formaldehyd-Harz, unbeschichtet)
1,5 μg/m³ (Papierprodukte)
4 μg/m³ (Nagelhärter, Anwenderin)
[E-64 / BfR / 2006; E-62 / BfR / 2006]

Vorkommen im Wasser
Natürliche und anthropogene Vorkommen im Wasser lassen sich nicht differenzieren.

Trinkwasser
<100 μg/L
[C-6 / IARC / 2006; C-268 / Bruinen de Bruin / 2005]

Oberflächengewässer
Elbe-Ästuar/DE:
1,21-181 μg/L (Bereich, Mittelwerte: 11,2-16,4 μg/L, n>12; 1989)
1,50-75 μg/L (Bereich, Mittelwerte: 5,9-28 μg/L, n>39; 1990)
0,56-38 μg/L (Bereich, Mittelwerte: 3,0 und 6,5 μg/L, n>39; 1992)
Elbe-Ästuar, Brunsbüttel/DE:
1,55-28 μg/L (Bereich, Mittelwerte: 5,3-11,9 μg/L, n=111; 1990)
0,54-12,3 μg/L (Bereich, Mittelwerte: 1,67 und 1,94 μg/L, n>6; 1992)
[C-49 / Rippen / 2009]

Vorkommen im Boden
Natürlich
Formaldehyd wird bei der Zersetzung pflanzlicher Bestandteile im Boden gebildet (keine quantitativen Angaben).
Anthropogen
10 μg/kg (Mittel, MAX: 80 μg/kg, keine weiteren Angaben; USA, ca. 1981)
[C-49 / Rippen / 2009]

Vorkommen in Lebensmitteln
Natürliches und anthropogenes Vorkommen
Formaldehyd kommt in natürlichen Lebensmitteln vor. Die folgenden Konzentrationen sollen primär natürlichen Ursprungs sein.

1-98 mg/kg (Fisch und Schalentiere)
5,7-20 mg/kg (Fleisch)
17,3-60 mg/kg (Früchte)
3,4-16,0 mg/kg (Kaffee)
7,4-8,7 mg/kg (kohlensäurehaltige Soft Drinks)
3,3-13,3 mg/kg (Gemüse)
0,20-3,8 mg/L (Alkoholische Getränke)
0,027-3,3 mg/kg (Milch und Milchprodukte)
[C-7 / Wichmann / 2006; C-150 / EHC / 1989; C-268 / Bruinen de Bruin / 2005]

Formaldehyd kann sich in Lebensmitteln z.B. auch als Resultat von Begasungen (z.B. Getreide) und nach dem Kochen (als Oxidationsprodukt) befinden. Ferner kann sich Formaldehyd aufgrund des Einsatzes als Konservierungsstoff bei der Herstellung einiger Lebensmittelzusatzstoffe (z.B. Geliermittel) in Lebensmitteln wiederfinden. Quantitative Angaben für die Lebensmittel liegen nicht vor.
<20 mg/kg (BG, Geliermittel, n=70, EU, 2006)
[C-217 / EFSA, ANS / 2006; C-6 / IARC / 2006]

Vorkommen in Verbraucherprodukten
Wasch-, Reinigungs- und Pflegemittel sowie Kosmetika
0,03% (Einsatzkonzentration von Formaldehyd in Wasch-, Pflege- und Reinigungsmitteln für Privatverbraucher, DE, Jahr n.a., vermutlich 2006)
1% (typische Einsatzkonzentration von Formaldehydabspaltern in Wasch-, Pflege- und Reinigungsmitteln für Privatverbraucher, Jahr n.a., vermutlich 2006)
[E-61 / IKW / 2006]
Umfrage unter 370 IKW-Mitgliedsfirmen (Industrieverband Körperpflege und Waschmittel, April 2006):
1-2% (übliche Einsatzkonzentration von Formaldehyd in Nagelhärtern; nur in diesen Kosmetik-Produkten wird noch Formaldehyd selbst eingesetzt, sonst Formaldehydabspalter)
[E-63 / BfR / 2006]

Textilien und Lederwaren
0/53 Proben positiv (Textilien; DE, 2006)
209 mg/kg (Mittel, 2/23 Proben positiv, Lederwaren und andere Textilien; DE, 2006)
[C-245 / BVL-BÜp / 2006]

Spielzeug
Formaldehydabgabe (in mg Formaldehyd pro kg Material) von Holzpuzzles und Steckspielen für Kinder nach 3 h und nach 24 h Ausgasung (n=228, Herkunftsland: überwiegend unklar (n=166), China (n=57), Niederlande (n=3), Frankreich und Indonesien (je n=1)):
9,5 mg/kg (Mittelwert, MAX: 388 mg/kg, 139/228 Proben positiv, n=7 > Richtwert von 80 mg/kg, Prüfzeit 3 h; DE, 2006)
105 mg/kg (Mittelwert, MAX: 2809 mg/kg, 208/228 Proben positiv, n=35 > Richtwert von 110 mg/kg, Prüfzeit 24 h; DE, 2006)
[C-245 / BVL-BÜp / 2006]

Weitere Angaben
Abwasser
Es liegen keine quantitativen Angaben zum Vorkommen in Abwasser vor. Es wird allerdings angenommen, dass der Großteil des Formaldehyds aus Verbraucherprodukten das Abwasser erreicht.
[C-134 / OECD SIDS / 2004]

Die Kompostierung von Haushaltsabfällen kann Formaldehyd generieren (keine quantitativen Angaben).
[C-6 / IARC / 2006]

Zigaretten
49,5 μg/Zigarette (Median, Bereich: 12,2-106 μg/Zigarette, Hauptstromrauch)
732 μg/Zigarette (Median, Bereich: 540-968 μg/Zigarette, Nebenstromrauch)
[E-63 / BfR / 2006]

10- >100 μg/Zigarette (Hauptstromrauch)
35 μg/Zigarette (Nebenstromrauch)
[C-7 / Wichmann / 2006]

1547,7 μg/Zigarette (Mittel, n=3, überwiegend Nebenstromrauch)
[C-7 / Wichmann / 2006; C-268 / Bruinen de Bruin / 2005; E-63 / BfR / 2006]
Die Gründe für die Differenzen werden nicht berichtet.

Nahrungszubereitung
Bei der Nahrungszubereitung (z.B. Kochen von Fisch) kann es zu einer Formaldehydfreisetzung kommen.
[C-6 / IARC / 2006; C-136 / ATSDR / 1999]

Zusammenfassung
Die Formaldehydkonzentrationen in Reinluftgebieten liegen üblicherweise unter 2 μg/m³, in europäischen Großstädten im Mittel bis zu 10mal höher. In der Raumluft deutscher Haushalte werden noch höhere Konzentrationen von bis zu 32 (Median) bzw. 85 μg/m³ (90. Perzentil) berichtet.
Die Formaldehydkonzentrationen in Trinkwasser und Oberflächengewässern liegen üblicherweise unter 100 μg/L.
Die (primär) natürlichen Formaldehyd-Konzentrationen in Lebensmitteln variieren um mehrere Größenordnungen und sind in Fisch, Fleisch und Früchten am höchsten. Anthropogene Vorkommen sind
quantitativ nicht erfasst.


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Aufnahmewege

Geschätzte Gesamtexposition
Angaben zur Gesamtzufuhr über alle Pfade liegen nicht vor.
Die Formaldehyd-Aufnahme der Allgemeinbevölkerung erfolgt überwiegend über die Nahrung, wobei die Schätzungen zwischen 1500-14000 μg/d (Durchschnitt) und 4350-41900 μg/d (niedrige und hohe Schätzung) variieren. Die Verwendung von Formaldehyd bei der Herstellung bestimmter Lebensmittelzusatzstoffe kann zusätzlich bis zu 1020 μg/d betragen. Inhalativ können über die Raumluft 500-1518 μg/d aufgenommen werden, allerdings basiert diese Abschätzung auf älteren Konzentrationsmessungen, deren Werte in Deutschland auf Basis aktueller Erhebungen nur noch selten erreicht werden dürften. Das Rauchen und Passivrauchen kann, bei allerdings stark divergierenden Schätzungen, zu einer erheblichen Belastung von 190-2400 μg/d bzw. 30-1000 μg/d führen.

Inhalative Aufnahme
Eine ubiquitäre inhalative Belastung resultiert aus:
- einer geringen Hintergrundkonzentration aus natürlichen Quellen (einige wenige µg/m³)
- höheren Konzentrationen in städtischen Gebieten (Jahresmittelwerte im Bereich 1 bis 20 μg/m³ insbesondere durch Formaldehyd-Bildung bei Verbrennungsprozessen, einschließlich Heizung und Kraftfahrzeugverkehr, sowie Emissionen aus Industrieanlagen (Expositionsspitzen bis 100 µg/m³)
- Innenraumluftkonzentrationen, die in Abhängigkeit von Baumaterialien, Innenausstattung, Heizungsart und sonstiger menschlicher Aktivität (z.B. Rauchgewohnheiten, Nutzung von Haushaltschemikalien/ Desinfektionsmitteln) in weiten Grenzen schwanken.
[C - 101 / WHO Air quality guidelines / 1987, S. 91; C - 149 / CICADs / 2002, S. 12, 16; C - 154 / WHO Air quality guidelines / 2000, S. 87; C - 242 / WHO Guidelines for indoor air quality / 2010, S. 103]

Inhalative Gesamtaufnahme:
24,1 μg/kg x d (ohne Spezifizierung, 1542 μg/d bei 64 kg KG, zu 98% über Raumluft, s.u.; Bereich: 10 μg/kg x d (Gebäude ohne UF-Schaum Isolierung) bis 59 μg/kg x d (Gebäude <5 Jahre alt))
[C-268 / Bruinen de Bruin / 2005]

Über die Außenluft
11,9 μg/d (basierend auf 7,2 μg/m³ (Mittel aus international berichteten Konzentrationen), 22 m³/d Atemvolumen und einer anteiligen Aufenthaltsdauer im Freien von 7,6%)
Teilnahme am Verkehr:
12,3 μg/d (basierend auf 10,3 μg/m³ (Mittel aus international berichteten Konzentrationen), 22 m³/d Atemvolumen und einer anteiligen Aufenthaltsdauer im Innenraum von 5,4%)
[C-268 / Bruinen de Bruin / 2005]

2-44 μg/d (basierend auf 1-20 μg/m³ und 2 m³/d Atemvolumen im Freien)
[C-7 / Wichmann / 2006]

Über die Raumluft
1518,2 μg/d (basierend auf 79,3 μg/m³ (Mittel aus international berichteten Konzentrationen), 22 m³/d Atemvolumen und einer anteiligen Aufenthaltsdauer im Innenraum von 87%)
[C-268 / Bruinen de Bruin / 2005]

300-600 μg/d (basierend auf 30-60 μg/m³ und 10 m³/d Atemvolumen im Haus)
200-500 μg/d (basierend auf 30-60 μg/m³ und 8 m³/d Atemvolumen am Arbeitsplatz, ohne berufliche Exposition)
[C-7 / Wichmann / 2006]

Weitere inhalative Aufnahmewege
Rauchen
190-2400 μg/d (20 Zigaretten/d)
1000 μg/d
400-2000 μg/d (1 Packung/d)
[C-6 / IARC / 2006; C-7 / Wichmann / 2006; C-136 / ATSDR / 1999]

31000 μg/d (basierend auf 1547,7 μg/Zigarette und 20 Zigaretten/d; 485 μg/kg x d bei 64 kg KG; stark abweichender Wert, s. "Weitere Vorkommen")
[C-268 / Bruinen de Bruin / 2005]

Passivrauchen
30-67 μg/d [C-7 / Wichmann / 2006]
100-1000 μg/d [C-136 / ATSDR / 1999]

Orale Aufnahme
Eine orale Aufnahme ist mit verschiedenen Nahrungsmitteln möglich, die Formaldehyd als natürlichen Bestandteil enthalten (z.B. verschiedene Früchte, Seefisch) oder denen es als Konservierungsmittel zugesetzt wurde [C - 149 / CICADs / 2002, S. 14-15].

Über das Trinkwasser
<200 μg/d [C-7 / Wichmann / 2006]
0,3 μg/kg x d (20,1 μg/d mit 64 kg KG; durchschnittlicher Trinkwasserkonsum: 0,201 L/d auf Basis europäischer Verzehrsdaten; Konzentration <100 μg/L als 100 μg/L veranschlagt) [C-268 / Bruinen de Bruin / 2005]

Über Lebensmittel
Natürlich
Auf Basis europäischer Verzehrsdaten (Durchschnitt), mit den unter "Vorkommen in Lebensmitteln" berichteten Konzentrationen und mit einem Körpergewicht von 64 kg:
0,08-15 μg/kg x d (alkoholische Getränke)
14-65 μg/kg x d (Kaffee)
0,15-18,8 μg/kg x d (Milch und Milchprodukte)
15-18 μg/kg x d (kohlensäurehaltige Soft Drinks)
24-436 μg/kg x d (Obst und Gemüse)
14,3-50,3 μg/kg x d (Fleisch)
0,52-50,2 μg/kg x d (Fisch und Schalentiere)
68-655 μg/kg x d (Gesamtaufnahme aus Lebensmittel, niedrige und hohe Schätzung, nach Angaben der Autoren 4350-41900 μg/d)
[C-268 / Bruinen de Bruin / 2005]

1500-14000 μg/d (durchschnittliche Erwachsene, Aufnahme von Formaldehyd größtenteils in gebundener und nicht verfügbarer Form)
[C-150 / EHC / 1989]

Anthropogen
Aufnahme aufgrund Verwendung von Formaldehyd bei der Herstellung von Lebensmittelzusatzstoffen:
1020 μg/d (extremer worst-case, basierend auf 50 mg/kg Geliermittel; EU, 2006; in der Quelle 17 μg/kg x d mit 60 kg berechnet)
[C-217 / EFSA, ANS / 2006]

Über Boden / Hausstaub
Es liegen keine Angaben zur Aufnahme über Boden/Hausstaub vor.

Dermale Aufnahme
Möglichkeiten des Hautkontaktes sind aufgrund des umfänglichen Gebrauchs von Formaldehyd vielfältig. Sie bestehen insbesondere bei der Nutzung Formaldehyd-haltiger Haushaltschemikalien, Desinfektionsmittel und Kosmetika sowie beim Tragen bestimmter Textilien [C - 149 / CICADs / 2002, S. 15-16].

Über Verbraucherprodukte
Textilien
Basierend auf Formaldehyd-Konzentrationen in Viskose (43 mg/kg), Wolle (35 mg/kg) und Baumwolle (82 mg/kg), vermutlich kurzfristige Exposition:
250, 307 und 586 μg/kg (Erwachsene, 70 kg KG)
875, 1075 und 2050 μg/kg (Kinder, 10 kg KG)
[E-63 / BfR / 2006]

Zusammenfassung
Die Formaldehyd-Aufnahme der Allgemeinbevölkerung erfolgt überwiegend über die Nahrung. In seltenen Fällen kann die Raumluft eine bedeutende Quelle für die Formaldehydaufnahme darstellen. Daneben ist insbesondere das Rauchen und Passivrauchen von Bedeutung. Aufgrund der breiten Verwendung in Verbraucherprodukten kann es zu einer - teilweise kurzfristigen - Formaldehydexposition (durch die Substanz selbst oder Formaldehydabspalter) der Allgemeinbevölkerung kommen.


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Human-Biomonitoring

Formaldehyd wird endogen im menschlichen Körper als Zwischenprodukt gebildet und weiter zu Ameisensäure verstoffwechselt. Ameisensäure ist allerdings kein spezifischer Formaldehyd-Metabolit, sondern entsteht aus verschiedenen Verbindungen. Die Ameisensäure-Ausscheidung mit dem Urin ist angesichts hoher inter- und intraindividueller Unterschiede (Schwankungen bis zu 1 Größenordnung innerhalb einer Person, Morgen- und Nachmittagsurin über 5 Tage) kein geeignetes Maß für eine Formaldehyd-Exposition. Zudem wird zwischen nicht exponierten Personen und exponierten Personen kein statistisch signifikanter Unterschied in der Formaldehydkonzentration im Blut festgestellt, vermutlich da Formaldehyd an der Kontaktstelle abreagiert:
Gesamtkonzentration von freiem und reversibel gebundenem Formaldehyd im Blut:
Nicht exponierte Personen (endogen gebildet):
2,61 ± 0,14 μg/g Blut (Mittel ± Standardabweichung, Bereich: 2,05-3,09 μg/g)
Exponierte Personen (2300 mg/m³ über 40 Minuten, n=6):
2,77 ± 0,28 μg/g Blut (Mittel ± Standardabweichung, Bereich: 2,05-3,09 μg/g)
[C-7 / Wichmann / 2006; C-6 / IARC / 2006; D-279 / UBA / 1999]


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Quellen für Expositionsmöglichkeiten

A - 18
EUROSTAT (European statistics)
Datenbank-Hersteller: European Commission
zur Online Recherche in EUROSTAT
(Recherche 12/2009)
C - 6
IARC, International Agency for Research on Cancer (Hrsg.)
IARC Monographs on the Evaluation of Carcinogenic Risks to Humans
Lyon: IARC Press
Serie
www.iarc.fr
Online: http://monographs.iarc.fr/ENG/Monographs/PDFs/index.php
Listen der bisher evaluierten Stoffe sortiert nach CAS-Nummer, Stoffname oder Einstufung
unter: http://monographs.iarc.fr/ENG/Classification/index.php
(2006, Vol. 88 )
C - 7
Wichmann HE, Schlipköter HW, Fülgraff G (Hrsg.)
Handbuch der Umweltmedizin: Toxikologie, Epidemiologie,
Hygiene, Belastungen, Wirkungen, Diagnostik, Prophylaxe
Landsberg: Ecomed Verlagsgesellschaft 1992 ff.
Loseblattsammlung
(2006, 35. Erg. Lfg.)
C - 49
Rippen G (Bearb.)
Handbuch Umweltchemikalien: Stoffdaten, Prüfverfahren, Vorschriften
Landsberg: Ecomed Verlagsgesellschaft
Loseblattsammlung
(2009)
C - 101
World Health Organization, Regional Office for Europe (Hrsg.)
Air quality guidelines for Europe 1987
(WHO regional publications: European series; 23)
(1987)
C - 134
UNEP / IRPTC Screening Information Data Set (SIDS) for High Production Volume Chemicals
OECD
(Processed by UNEP CHEMICALS) 1995 -
Online: http://webnet.oecd.org/hpv/UI/Search.aspx
(2004)
C - 136
ATSDR, Agency for Toxic Substances and Disease Registry
Toxicological profiles, National Technical Information Service (NTIS)
1990 -
Online: https://www.atsdr.cdc.gov/toxprofiles/index.asp
(1999)
C - 149
International Programme on Chemical Safety (IPCS) (Hrsg.)
Concise International Chemical Assessment Documents (CICADs)
Geneva: WHO
http://www.inchem.org/pages/cicads.html
(2002, Nr. 40)
C - 150
International Programme on Chemical Safety (IPCS) (Hrsg.)
Environmental Health Criteria
Geneva: WHO
Serie http://www.inchem.org/pages/ehc.html
(1989)
C - 154
World Health Organization, Regional Office for Europe (Hrsg.)
Air quality guidelines for Europe
Copenhagen, Denmark 2000, second Edition
WHO regional publications: European series. 91, ISBN 92-890-1358
C - 217
European Food Safety Authority, EFSA
Opinion of the Scientific Panel on Food Additives and Nutrient Sources added to Food (ANS),
ehemals Panel on Food Additives, Flavourings, Processing Aids and Materials in Contact with Food (AFC)
Online: https://www.efsa.europa.eu/en/publications/advanced-search/?subject=63406
(30.11.2006, Opinion of the Scientific Panel on food additives, flavourings, processing aids and materials in contact with food (AFC) on a request from the Commission related to Use of formaldehyde as a preservative during the manufacture and preparation of food additives, Question Nº EFSA-Q-2005-032)
C - 242
World Health Organization (Hrsg.)
WHO Guidelines for indoor air quality: selected pollutants
WHO Regional Office for Europe, 2010
Online: http://www.euro.who.int/__data/assets/pdf_file/0009/128169/e94535.pdf
(2010)
C - 245
Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit
Berichte zur Lebensmittelsicherheit
Bundesweiter Überwachungsplan (BVL-Büp)
Online: http://www.bvl.bund.de/DE/01_Lebensmittel/01_Aufgaben/02_AmtlicheLebensmittelueberwachung/03_BUEP/lm_buep_node.html
(2006, Berichte zur Lebensmittelsicherheit, Bundesweiter Überwachungsplan, Gemeinsamer Bericht des Bundes und der Länder, BVL-Reporte, Band 2, Heft 3)
C - 268
Bruinen de Bruin Y et al.
HEXPOC: human exposure characterization of chemical
substances; quantification of exposure routes
Luxembourg: Office for Official Publications of the European Communities 2005
(Report EUR 21501 EN)
D - 279
Bekanntmachung des Umweltbundesamtes
Formaldehyd und Human-Biomonitoring
Bundesgesundheitsblatt-Gesundheitsforschung-Gesundheitsschutz, 1999 42 S.820-822
D - 683
Umweltbundesamt, UBA
Vergleichswerte für flüchtige organische Verbindungen (VOC und Aldehyde) in der Innenraumluft von Haushalten in Deutschland
Ergebnisse des repräsentativen Kinder-Umwelt-Surveys (KUS) 2003/06
Bundesgesundheitsblatt-Gesundheitsforschung-Gesundheitsschutz, 2008 51 S.109-112
D - 766
Hofmann H, Plieninger P
Bereitstellung einer Datenbank zum Vorkommen von flüchtigen organischen Verbindungen in der Raumluft
WaBoLu-Heft 05/2008
Dessau-Roßlau: Umweltbundesamt, September 2008
Online: http://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/publikation/long/3637.pdf
E - 61
Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel e.V., IKW
Verwendung von Formaldehyd oder Formaldehyd-Abspaltern in Pflege- und Reinigungsmitteln in Privathaushalten
Präsentation auf der Veranstaltung "Wissenschaftliche Bewertung von Formaldehyd: Neue Perspektiven für den Verbraucherschutz?", 29. Mai 2006
Online: http://www.bfr.bund.de/de/a-z_index/formaldehyd-5095.html
E - 62
Bundesinstitut für Risikobewertung, BfR
Formaldehyd - Exposition und offene Fragen
Präsentation auf der Veranstaltung "Wissenschaftliche Bewertung von Formaldehyd: Neue Perspektiven für den Verbraucherschutz?", 29. Mai 2006
Online: http://www.bfr.bund.de/de/a-z_index/formaldehyd-5095.html
E - 63
Bundesinstitut für Risikobewertung, BfR
Formaldehyd in Kosmetika und Textilien
Präsentation auf der Veranstaltung "Wissenschaftliche Bewertung von Formaldehyd: Neue Perspektiven für den Verbraucherschutz?", 29. Mai 2006
E - 64
Bundesinstitut für Risikobewertung, BfR
Inhalative Exposition des Verbrauchers gegenüber Formaldehyd
Aktualisiertes Diskussionspapier des BfR vom 30. April 2005, aktualisiert am 24. Juli 2006
Online: http://www.bfr.bund.de/cm/343/inhalative_exposition_des_verbrauchers_gegenueber_formaldehyd.pdf

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